Die oldiethek

Rockende E-Techniker schreiben in den 70er-Jahren ein Stück Aachener Kulturgeschichte: Die legendäre Oldiethek mit dem Slogan „Musik von gestern bis morgen(s)“ wird 1976 von einer Gruppe Elektrotechnikstudenten gegründet und findet jeden zweiten Samstag in der Suppenmensa „M6“ des Studentenwerks statt. Die Idee entsteht aus der Not heraus, erzählt Bernd Roeckerath, einer der Gründungsmitglieder. „Die einzige Diskothek in Aachen war nicht so der Hotspot, und der Malteserkeller war ja mehr Jazz. Dann haben wir uns gedacht, wenn das mit den großen Hochschulfeten klappt, dann muss es eigentlich auch mit kleinen gehen, wenn man’s regelmäßig macht.“ Die Ausrichtung der Partys bringt insbesondere den männlichen Studenten einen schönen Nebeneffekt. „Wir hatten damals im Studium fast nur Männer. Und es war auch bei den normalen Hochschulfeten oft das Problem, dass eigentlich nur ganz wenige Frauen den Weg zu uns fanden. Also mussten wir das Pferd von hinten aufzäumen und sie mit ins Boot holen“, erinnert sich der langjährige Oldiethek-DJ Dieter Bohn an die Methode, Verkäuferinnen aus Drogerieabteilungen Freikarten zu schenken.

Hinter der Oldiethek, deren Logo eine Vinylplatte darstellt, verbirgt sich ein kleines, aber sehr gut aufgestelltes Logistikunternehmen. Als Non-Profit-Veranstalter handeln die Organisatoren mit dem Studentenwerk die Vereinbarung aus, dass sie die Räume für Partys nutzen können, solange sie bis zum darauffolgenden Montag für den Mensabetrieb wieder sauber sind. Für den Auf- und Abbau, die Getränkelieferung, die PR und die Durchführung sind die Studenten selbst verantwortlich.

Über 20 Jahre lang finden die Partys statt. Unvergessen sind die Paar- und Kennenlernspiele unter den Gästen sowie der Moderator und Macher der Oldiethek, der 2013 verstorbene Klaus Fischer.

Großartiges Filmmaterial:
Der Oldiethekfilm aus dem Jahr 1977 von Bernd Roeckerath

 
Produktion: Michaela Natschke, 2019
Bildquellen:
Privatfundus Dieter Bohn/Bernd Roeckerath
20,21: google rechtefrei
Musik:
1. Musik aus zur Verfügung gestelltem Videomaterial von Dieter Bohn, 2. „A 200 à l'heure“ (Instrumentalversion), Francis Lai, Pierre Barouh, Nicole Croisilee