„What shall we do with a drunken punk“
Die 1980er-Jahre sind die Blütezeit der Punk- und New-Wave-Konzerte am Pontwall. Das Kulturreferat des AStA schafft es, viele angesagte Bands für wenig Geld in den Theatersaal zu holen und das Mensagebäude zu einem überregional bekannten Treffpunkt für junge Musikfans zu etablieren. Die Konzerte von Bands wie den frühen Sonic Youth, Tommi Stumpff, den Toten Hosen, Element of Crime, den Goldenen Zitronen und Front 242 sind legendär. Es ist die Zeit der Plattenläden und der Kassettenszene, die als Dreh- und Angelpunkt von vielen verschiedenen Subkulturen gelten. Eine wichtige Rolle in der Aachener Punk-/New-Wave-Szene spielt die „Bierfront“, Herausgeber eines Punk-Fanzines, die insbesondere die Punkkonzerte im Theatersaal redaktionell begleitet und dokumentiert.
Als später keine gewinnorientierten Konzerte mehr veranstaltet werden dürfen, werden die Eintrittspreise auf maximal fünf D-Mark gedeckelt, was dem AStA erhebliche Defizite einbringt und das Ende der Konzertära am Pontwall einläutet.
In der Regel verlaufen die Veranstaltungen dank des gut organisierten Kulturmanagements der Studierenden friedlich. Am 5. Mai 1985 kommt es jedoch bei einem Konzert der Toten Hosen im Theatersaal zu einer Massenschlägerei zwischen Punks und Polizisten.
„Zur Aufpeitschung der Stimmung gab’s ungefähr zwei Stunden wildesten Pogo und Rumgegröle. Und ja, dann kam es am Ende des Konzerts zu Beschwerden wegen Ruhestörung, und zwei Polizisten haben es gewagt, die Treppen in der Mensa hochzugehen. Die haben sich aber erst mal verlaufen und sind auf dem Klo gelandet. Als wir herauskamen, gab’s wohl so ein Gerangel zwischen den Punks und den Bullen, und eine ,Mehlmütze‘, also das waren damals die weißen Kopfbedeckungen der Polizisten, wurde entwendet. Das war natürlich eine Kriegserklärung! Da kamen einige Wagen voll SEKs. Bierfront-Redakteur Frank Buchholz war damals auch Sänger der ,Nixkönner‘ und durfte mit seiner Band bei dem letzten Stück „What shall we do with a drunken punk“ mit auf die Bühne. Gemeinsam wollten sie das Stück mit den Toten Hosen vorführen. Und gerade als sie dann zum Spielen angesetzt haben, bin ich rein und hab denen zugebrüllt, dass die Bullen Nobby verhaftet haben. Deswegen kam es dann leider nicht zu diesem Höhepunkt in der Nixkönner-Geschichte, weil alle sofort rausgeschickt wurden. Auf dem Platz vor der Mensa war schon eine volle Straßenschlacht im Gange. Auch mehrere Mitglieder von den Toten Hosen und der wahre Heino haben sich in die Schlacht geworfen. Es gab Flaschenwürfe und Knüppelbrigaden von der Polizei, die die Massen hin und her trieben. Die ganze Straße war gesperrt. Nach und nach wurden immer mehr Leute verhaftet. Irgendwann hatte die Polizei wohl genug und zog mit den zwischendurch verhafteten Leuten von dannen. Wir sind dann später noch zum Polizeipräsidium gefahren, um herauszufinden, was mit den Festgenommenen passiert ist. Und die meisten, auch einige Minderjährige, wurden noch am selben Abend freigelassen. Am Ende jedoch gab es ja auch noch Anzeigen für manche Leute.“
Axel Grumbach, ehemaliges Mitglied der Bierfront