Bildquelle: Aachener Nachrichten 1971

1971: Die erste studentische Kinderkrippe

Auch Frauen wollen studieren und sich in ihrem Beruf entfalten. Der Zuwachs an Studentinnen ist gerade Anfang der 1970er-Jahre enorm. Das Studentenwerk eröffnet deswegen eine Krippe für die U3-Kinder von Aachener Studierenden.

Eine Ganztagsbetreuung für die ganz Kleinen ist jedoch etwas Neues und erregt viele Gemüter. Trotz aller Widerstände wird eine alte Jugendstilvilla der RWTH am Königshügel umgebaut und der Betrieb der ersten studentischen Kinderkrippe in Aachen gestartet. Nicht alle Studenten können sich damit anfreunden, denn in diesem Punkt ist die Gesellschaft gespalten: Halten viele Frauen ihren Männern noch den Rücken frei, indem sie sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmern, haben einige Ehen schon ein ganz anderes Selbstverständnis.

19,3 Prozent der Studierenden sind verheiratet (16 Prozent der Frauen, 20,5 Prozent der Männer). Die Heiratsfreudigkeit unter den Studierenden ist während der letzten zehn Jahre erheblich gestiegen. Zum einen ist das alte Vorurteil, „man“ dürfe erst eine Ehe eingehen, wenn durch den Mann der Lebensunterhalt für die neue Gemeinschaft gesichert sei, weitestgehend abgebaut worden. Zum anderen stellt die Ehe  gewissermaßen den einfachsten, weil gesellschaftlich anerkannten Weg dar, sich von den Eltern zu lösen. Ehen werden zudem vom Staat steuerlich gefördert, und eine Wohnung wird häufig nur an verheiratete Paare vergeben.

Die Geburtenzahlen sind jedoch rückläufig. 1963 hatten noch 48 Prozent aller Ehepaare, bei denen beide Partner studierten, Kinder, 1973 sind es nur noch 22 Prozent. Die meisten studierenden Eltern haben ein Kind, 20 Prozent zwei Kinder, sechs Prozent drei und mehr. 

Das Aufnahmealter beträgt in einem „normalen“, nicht studentischen Kindergarten drei Jahre. Bis zu diesem Alter betreuen viele Mütter ihre Kinder lieber selbst. Die meisten (60 Prozent) würden allerdings gerne eine Kinderkrippe oder einen Kinderladen für die ganz Kleinen in Anspruch nehmen, wenn auch lieber halbtags als ganztags. Krippenplätze gibt es generell jedoch kaum.

Frontbild: ©Medienhaus Aachen/Hein Call