© Studierendenwerk Aachen/Bild1+2 Hochschularchiv RWTH

 

Deutschlands
erstes Studentendorf

Ende der 1940er-Jahre sind die von der Studentenhilfe vermittelten Notunterkünfte im Bunker komplett belegt, und auf Dauer sind die Bedingungen dort untragbar. In Zusammenarbeit mit der Stadt beginnt der Verein im Aachener Eckertweg (früher „Altmaastrichter Straße“) mit dem Bau des ersten deutschen Studentendorfs.

Ziel ist es, ein kulturelles Zentrum für die Studierenden zu schaffen. Die Presse spricht von einem „neuartigen Experiment“, weil erstmals immatrikulierte Frauen, Männer und kinderlose Ehepaare gemeinsam in einer Siedlung leben sollen.

„Entscheidend für diesen Entschluss sei die Erkenntnis, dass viele Studenten wohl physisch widerstands- und leistungsfähig sind, jedoch nach dem Urteil der Ärzte psychisch unter den Zeiterscheinungen leiden. Hier, so wird betont, solle gerade die Studentin dem auf sich gestellten Kollegen in seinen seelischen Nöten, über die er selbst nie sprechen würde, beistehen.“
Die „Welt“, 10.11.1952

Das Studentendorf

Während 1950 die Professorensiedlung von dem Hochschullehrer Professor Dr. B. Schachner entworfen wird, planen im gleichen Jahr Professor Mehrtens und Dipl.-Ing. Heinen unter Einbeziehung von Studenten auf der Höhe des Königshügels neben den neu entstehenden
Hochschulsportanlagen ein Dorf für Studenten.

Das Projekt wird unter anderem dank einer Stiftung des Hohen Kommissars der Vereinigten Staaten, die den gemeinschaftlichen Zielen der USA, Großbritanniens und der Bundesrepublik dienen soll, und der Schenkung des Grundstücks durch die Stadt Aachen möglich. Es ist für den Bau eines studentischen Gemeinschaftshauses vorgesehen, dessen Planung der britische Land-Commissioner von Nordrhein-Westfalen zu prüfen hat.

Nachdem das Grundstück für das Studentendorf am Eckertweg feststeht, wird die Bauantragsplanung erstellt. Der Platz wird gewählt, weil er günstig zur Hochschule liegt und die Fläche Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten scheint.

Die Planer entscheiden sich für die Form eines Dorfes, mit einem Haupthaus mit Versammlungssaal und weiteren Gemeinschaftseinrichtungen sowie vier Wohnheimen mit Ein- und Zweibettzimmern und Toiletten, Duschräumen
und Teeküchen in jedem Geschoss. 1951 beginnt der Bau, der im ersten Abschnitt 1953 bezogen werden kann.

Während die vier Wohnblocks den Studenten und Ehepaaren vorbehalten sind, wird das obere Stockwerk des Haupthauses von den weiblichen Kommilitonen bewohnt, die unter der Obhut von „Frau von Wiese“ stehen.

Baukosten: 1.179.000 DM
(400.000 DM aus der McCloy-Stiftung)
168 Bettplätze
15 Ehepaarwohnungen (heute Einzelapartments)